Anatomie
Das Schultergelenk gilt als das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers, d. h. das Gelenk mit den größten Bewegungsausschlägen bzw. der größten Bewegungsfreiheit. Das Schultergelenk ist ein knöchern, nur sehr locker geführtes Kugelgelenk, welches seine Stabilität erst dem komplizierten Zusammenspiel von Haltbändern, Kapseln und Muskeln verdankt.

Der Schulterschmerz allgemein
Der Schulterschmerz gilt wegen seiner zunehmenden Häufigkeit bereits als Volksleiden. Mehr als jeder Zehnte klagt über häufige und anhaltende Schmerzen in der Schulter. Inzwischen entfallen über 250.000 Operationen jährlich allein in Deutschland auf unser beweglichstes Gelenk mit steigender Tendenz.



Zahlreiche Schulterbeschwerden haben ihre Ursache in einer muskulären Dysbalance des Schultergürtels. Sitzende Tätigkeiten und mangelnde Bewegung führen dazu, dass die untrainierten Muskeln den Oberarmkopf nicht mehr optimal in der Schultergelenkspfanne stabilisieren können.

Eine weitere Ursache sind bewegungs- und kraftintensive Trendsportarten, die oft ohne ausreichendes Training und mangelnder Vorbereitung ausgeübt werden. Bei Sportunfällen ist die Schulter-Arm-Region mit 21,7 % am zweithäufigsten betroffen.

Rotatorenmanschettenruptur
Besonders häufig sind Verletzungen im Bereich der Rotatoren. Dies ist eine Muskelgruppe, die den Oberarm in der Gelenkpfanne des Schulterblatts hält und Drehungen nach innen und außen kontrolliert. Im Bereich des Oberarmkopfes gehen die Muskeln in eine Sehnenplatte über, die wie eine „Kapuze" über den Oberarmkopf gespannt ist.
Insbesondere bei Überkopfaktivitäten ist diese Sehnen-Muskelgruppe durch gleichförmige Bewegungsmuster hohen Belastungen ausgesetzt. Belastungsschäden, die dann auch bei kleineren Verletzungen zu Schäden und Rissen in diesem Bereich führen, sind die Folge. Die häufigste Ursache ist jedoch über Jahre fortschreitende Abnutzung der Sehnenplatte, die schließlich zu einem spontanen Riss führen kann.

Impingement-Syndrom
Viele Schulterbeschwerden haben etwas gemeinsam, das Symptom der schmerzhaften Enge unter dem Schulterdach. Es entsteht, weil der zur Verfügung stehende Platz zwischen Oberarmkopf, Rotatorenmanschette und dem Schulterdach durch verschiedenste Prozesse immer wieder eingeengt wird. Häufig kommt dann eine chronische Reizung - eine Verdickung des Schleimbeutels hinzu, welche den ohnehin begrenzten Raum fast völlig ausfüllt. Es treten heftige Schmerzen beim Heben des Armes auf, die zunächst belastungsabhängig sind, aber bereits nach kurzer Zeit auch in Ruhe auftreten und z.B. ein Durchschlafen nachts unmöglich machen.
Durch die chronische Entzündung und das Aufreiben der Sehnenfasern kann es zu einem kompletten Riss der Rotatorenmanschette kommen.

Diagnostik
  • Anamnese
  • Körperliche Untersuchung
  • Ultraschall
  • Röntgen
  • Kernspintomographie (MRT)
Die Diagnosestellung einer Rotatorenmanschettenruptur sowie die Feststellung des Ausmaßes der Entzündung mit Beteiligung des Schleimbeutels sowie der Sehnenstrukturen und die Beurteilbarkeit der Knorpelverhältnisse im Schultergelenk kann durch die Kernspintomographie (MRT) definitiv festgestellt werden.

Konservative Therapie
Im Vordergrund steht die Durchführung einer regelmäßigen und intensiven physikalischen Therapie mittels Krankengymnastik zum Aufbau einer ausgewogenen Schultermuskulatur, welche den Oberarmkopf in jede Richtung abstützt und führt.
Ein trainierter Schultergürtel ist die Voraussetzung für eine schmerzfreie Bewegung in allen Dimensionen. Die Durchführung von manueller Therapie mit Distalisierung des Oberarmkopfes und Vergrößerung bzw. Verbesserung der Schulterdachenge ist von großer Bedeutung. In Abhängigkeit des Entzündungsreizes können gezielte Infiltrationen mit entzündungshemmenden, abschwellenden und schmerzlindernden Mitteln in den Schleimbeutel durchgeführt werden.
Durch Eis- und Elektrotherapie können Reizzustände ebenfalls gemindert werden.

Operative Therapie
Führen die intensiven konservativen Therapiemaßnahmen über Wochen zu keiner wesentlichen Beschwerdebesserung ist die Durchführung einer operativen Therapie mittels eines arthroskopischen Eingriffes (Schultergelenksspiegelung) unumgänglich. Kam es zu einer chronischen Entzündung und einem Aufreiben der Sehnenfasern oder kompletten Riss der Rotatorenmanschette ist häufig ein operatives Vorgehen zwingend erforderlich.

Operationstechniken
bei Impingement-Syndrom bzw. Muskel-Sehnenentzündung:
durch minimal-invasive Technik mittels Arthroskopie können zunächst die Schulter-Innenverletzungen versorgt werden. Über den gleichen Zugang erfolgt die arthroskopische Operation unter dem Schulterdach. Dort werden die entzündeten Gewebeanteile sowie die entzündlichen Schleimbeutelanteile entfernt. Außerdem wird die knöcherne Unterseite des Schulterdaches endoskopisch mittels Minifräsen abgeschliffen, um der darunter gleitenden Rotatorenmanschette wieder ausreichend Platz zu geben. Dieses operative Vorgehen wird auch endoskopische subacromiale Dekompression genannt.

bei Rotatorenmanschettenruptur:
Rotatorenmanschettenrupturen werden zunehmend auch bei älteren Menschen wieder operativ verschlossen, um die fortschreitende Gelenkzerstörung, die Kraftlosigkeit, den Verlust der Armhebung und die unerträglichen Nachtschmerzen zu verringern oder zu beseitigen. Dank modernster Refixationstechniken ist es möglich, Rotatorenmanschettenrisse minimal-invasiv arthroskopisch zu versorgen. Dabei werden nach Darstellung und Anfrischen der Rupturränder diese mittels speziellen Fadensystemen fixiert. Nach Mobilisation der gesamten Rotatorenmanschette erfolgt die Fixation am ursprünglichen Ansatz der Muskelmanschette mittels knöchern versenktem Fadenanker. So kann mit einem, zwar operativ anspruchsvollen aber kleinen Eingriff erreicht werden, dass die volle Beweglichkeit und Belastbarkeit der Schulter innerhalb kurzer Zeit wieder zur Verfügung stehen. Bei sehr großen Beschädigungen bzw. Totalabrissen und Retraktionen der Muskelmanschette ist es in vereinzelten Fällen allerdings noch nötig, in einem offenen Eingriff mittels „mini-open-repair" den Defekt zu rekonstruieren.

Postoperative Behandlung
Wichtig bei allen Eingriffen an der Schulter ist, dass eine individuell, an den Patienten angepasste frühmobilisierende Nachbehandlung erfolgt. Eine Ruhigstellung ist für die Beweglichkeit der Schulter geradezu Gift. Sehr schnell kommt es zu einer Kapselschrumpfung und einer Einsteifung des Gelenks, welche nur sehr aufwendig rückgängig gemacht werden kann. Eine immer wichtigere Stellung nimmt bei der Nachbehandlung der Schulter die medizinische Trainingstherapie ein. Diese Therapieform gewinnt in der Krankengymnastik immer mehr an Bedeutung. Ähnlich wie in einem Fitnessstudio, jedoch unter persönlicher Überwachung und Anleitung durch einen Therapeuten, wird für den Patienten ein individuelles Trainingsprogramm erarbeitet und der Behandlungserfolg genau überwacht. So sollen Muskulatur und Koordination dahingehend gesteigert werden, dass der Oberarmknochen optimal geführt wird. Dabei kann ein enges Syndrom durch ein Hochrutschen oder auch eine Instabilität effektiv verhindert werden. Nur wenn die geschwächte oder traumatisierte Muskulatur gezielt wieder aufgebaut wird, stellt sich ein Langzeiterfolg ein.