Leistenbruch

Definition
Ein Bruch (Hernie) ist die Ausstülpung des Bauchfelles durch eine schon bestehende oder entstandene Lücke. Mit dem Bauchfell können ständig oder zeitweilig Organe aus dem Bauchraum verlagert sein. Einige Regionen in der Bauchwand sind gehäuft von der Bruchbildung betroffen. Die häufigste Form ist der Leistenbruch neben dem Nabelbruch und dem Bauchwandbruch.


Krankheitszeichen
In der Frühphase bemerkt der Patient stechende und zum Teil in die Leiste ausstrahlende Schmerzen. Ebenso kann eine dezente Vorwölbung oder Schwellung in der Leistenregion auftreten, die sich besonders beim Husten, Pressen oder Niesen bemerkbar macht.


Untersuchung und Diagnose
Die Untersuchung des Patienten zeigt beim Betrachten der Leiste eine Vorwölbung, die besonders, wenn der Patient zum Husten oder Pressen aufgefordert wird, erscheint. Das Abtasten mit den Fingern kann folgende Veränderungen zeigen:

  • Die weiche Leiste: Der Untersucher stellt lediglich eine Erweiterung des inneren Leistenringes fest.
  • Die beginnende Hernie (Hernia incipiens): Hier kann der Untersuchende nach Einführen des Fingers in den Leistenkanal beim Husten oder Pressen einen Anprall gegen die Fingerkuppe fühlen.
  • Die komplette Hernie (Hernia completa): Der Bruch tritt in den Leistenkanal ein und kann als Schwellung entweder im Stehen oder nach Pressen und Husten bemerkt werden.
  • Die Hodensackhernie (Hernia scrotalis): Hier ist der Bruchsack mit seinem Inhalt bis in den Hodensack hinabgeglitten.

Unter Umständen muss der Untersucher sich mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung Klarheit verschaffen, ob und welche Bruchform vorliegt, da das Abtasten der Leistenregion trotz großer Erfahrung oft nicht eindeutig ist.


Spezielle Formen der Leistenbrüche
Der Gleitbruch ist eine besondere Bruchform, bei der der Bruchsack, der normalerweise vom Bauchfell gebildet wird, teilweise oder komplett fehlt und Bauchorgane direkt nach außen gleiten. Hier besteht bei der Operation die Gefahr der Organverletzung, die sehr leicht beim Eröffnen des Bruchsackes übersehen werden kann.
Beim Leistenbruch der Frau beinhaltet der Leistenkanal das Verstärkungsband der Gebärmutter. Während ein operativer Eingriff beim Mann wegen der Gefahr der Samenstrangverletzung eine gewisse operative Geschicklichkeit verlangt, ist eine Operation bei der Frau quasi ohne Risiko.
Beim Kombinationsbruch, der in ca. 15% der Fälle vorkommt, findet man eine direkte und eine indirekte Leistenhernie. In diesem Fall sind beide Bruchsäcke zu versorgen.
Der Riesenbruch ist ein sehr großer Bruch, bei dem fast alle Baucheingeweide in den Bruchsack gleiten.


Komplikationen eines Leistenbruches

  • Bei der nicht zurück schiebbaren Hernie (=irreponible Hernie) kann der Bruch vom Untersucher nicht mehr in den Leistenkanal zurückgeschoben werden. Ursache dafür können Verwachsungen zwischen dem Bruchsack und dem Bruchinhalt sein.
  • Beim eingeklemmten Leistenbruch (=inkarzerierte Leistenhernie) ist die Blutversorgung der im Bruchsack befindlichen Organteile behindert oder gar unterbrochen. (Somit besteht die Gefahr, dass diese abgeschnürten Organteile in kurzer Zeit absterben.) Dies ist eine lebensbedrohliche Situation, die eine sofortige Notoperation erfordert.

Indikation zur Operation
Jede Leistenhernie sollte heutzutage operiert werden, um oben genannte Komplikationen zu vermeiden. Bei einem unkomplizierten Bruch wird der OP-Zeitpunkt mit dem Patienten vereinbart und der Patient kann in aller Ruhe zur Operation vorbereitet werden. Die inkarzerierte und irreponible Hernie ist eine absolute Operationsindikation. Sie muss sofort erfolgen, um Folgeschäden zu vermeiden. Eine spontane Ausheilung eines Leistenbruches kommt leider nicht vor. Eine Behandlung mit Bruchbändern oder Bandagen heilt die Brucherkrankung nicht aus, sie kann zu Druckschäden der Haut führen und sollte nur bei schwersten Allgemeinenerkrankungen in Erwägung gezogen werden.


Operation
Alle Bruchoperationen verlaufen unter demselben Grundgedanken. Der Bruchsack wird soweit aus der Umgebung herausgelöst, dass der Bruchinhalt wieder an seinen Platz zurückgebracht werden kann. Sodann wird die Bruchlücke verschlossen und die Hinterwand des Leistenkanals verstärkt. Hierbei gibt es unterschiedliche Operationsmethoden:

  • Offene Methode: Bei der Operation nach Shouldice wird die Fascia transversalis (die Hülle und Sehnenhaut des queren Bauchmuskels) gespalten und mit sich gedoppelt vernäht, wodurch die Hinterwand des Leistenkanals verstärkt wird. Meist muss jedoch diese Hinterwand zur dauerhaften Stabilisierung mit einem gut verträglichen Kunststoffnetz (aus Polypropylen) verstärkt werden (OP nach Lichtenstein).
  • Bei der laparoskopischen Technik ("Knopflochchirurgie") wird unter Beobachtung mit einer Videooptik der Bruch von innen durch den Bauchraum oder durch den unmittelbar vor dem Bauchfell gelegenen Raum versorgt und ein Kunststoffnetz zur Abdeckung der Bruchpforte eingelegt, wo der Bruch im Bauchraum seinen Ursprung genommen hat. Für diesen Eingriff müssen lediglich insgesamt drei Schnitte von 5-10 mm im Nabel und im Unterbauch gemacht werden. Vorteile des minimal-invasiven Verfahrens gegenüber der konventionellen, offenen Operation sind die meist nur geringen postoperativen Beschwerden, die winzigen Operationswunden und die schnelle Erholung und frühzeitige Belastbarkeit. Besonders für Rezidive (Wiederauftreten des Bruches nach einer Operation) ist diese Operationstechnik geeignet, da hier nicht in einer vernarbten Region operiert werden muss.

Risiken der Hernienchirurgie
Auch bei der Operation der Leistenhernie können sich unerwünschte Ereignisse einstellen. Schwere und lebensgefährliche Komplikationen sind außerordentlich selten. Relativ häufig sind bei allen operativen Verfahren Schwellungen im OP-Bereich, bedingt durch Blutergüsse oder Gewebewasseransammlungen. In aller Regel schwinden diese Schwellungen in kurzer Zeit. Auch länger anhaltende Schmerzen im OP-Gebiet, Nervenschmerzen oder Gefühlsstörungen werden beobachtet. Die Schmerzen lassen meist bald nach, die Gefühlsstörungen, die häufig nur einen kleinen Hautbereich betreffen, können jedoch auch länger anhalten oder auf Dauer bestehen bleiben. Rezidive, also das Wiederauftreten eines Bruches, kommen bei allen OP-Verfahren vor, sind aber bei Verwendung von Kunststoffnetzen seltener. Verhärtungen und Schrumpfungen im Bereich der eingesetzten Kunststoffnetze sind sehr selten, eine Allergie oder Abstoßung kommen praktisch nicht vor. Verletzungen des Samenstranges mit negativen Folgen für den betroffenen Hoden sind selten (Hodenentzündung, Hodenschwund). Bei der laparoskopischen Methode kann es sowohl zu Verletzungen von sich im Bauchraum befindenden Organen und Gefäßen als auch zu Nervenirritationen (Berührungsempfindungsstörungen oder Schmerzen in der Leiste) kommen.


Nachbehandlung
Nach der Operation kann der Patient gleich aufstehen, längere Liegezeiten sind unnötig.

  • Offene herkömmliche Methode nach Shouldice: Vermeidung schweren Hebens und körperlicher Anstrengung für 3 Monate zur Verhinderung eines Wiederauftretens des Leistenbruchs.
  • Offene herkömmliche Methode nach Lichtenstein mit Netzeinlage: körperliche Schonung für 3 Wochen.
  • Laparoskopische Operationsmethode: keine körperliche Schonung notwendig.

Die Arbeitsfähigkeit richtet sich nach der Art der Tätigkeit. In der Regel ist man 2–3 Wochen nach der Operation wieder arbeitsfähig.

mehr dazu:

  1. Bauchwandbruch