Das vordere Kreuzband ist der wichtigste Stabilisator im Kniegelenk. Eine nicht ganz so wichtige Rolle spielt das hintere Kreuzband. In den letzten Jahren hat es eine deutliche Zunahme der Kapselbandverletzung des Kniegelenkes gegeben. In ca. 2/3 der Fälle sind für die Verletzung Sportunfälle verantwortlich (in erster Linie saisonabhängig Ski- und Snowboard, Fussball, Handball sowie weitere Ballsportarten). Die vordere Kreuzbandverletzung tritt dabei unter den Bandverletzungen am häufigsten auf. Nicht selten gibt es Kombinationsverletzungen mit Innenband und Innenmeniskus.

Nach einer frischen Kreuzbandverletzung kommt es relativ schnell zu einer Schwellung, Schmerzen, Instabilitätsgefühl und Bewegungseinschränkung. Diese Probleme veranlassen den Patienten relativ schnell zu einem Arzt zu gehen.


Folgen einer Kreuzbandverletzung
Das vordere und hintere Kreuzband bilden den zentralen Pfeiler für die Kniegelenksstabilität. Ist ein Kreuzband nicht vorhanden, kommt es zu einem Unsicherheitsgefühl in dem entsprechenden Kniegelenk. Durch intensiven Muskelaufbau kann dies eine zeitlang (zum Teil) kompensiert werden. Durch einen unnatürlichen Bewegungsablauf kommt es auf Dauer zu einem verfrühtem Verschleiß von Knorpel und Menisken. Dieser Verschleiß tritt umso früher auf, je schwerer der Patient ist und je ausgeprägter das Kniegelenk belastet wird (Sport, Beruf). Deshalb sollte in der Regel das vordere Kreuzband ersetzt werden. Eine Naht des Kreuzbandes oder ein Ersatz durch ein Kunststoffband haben sich in der Praxis nicht bewährt.
Das hintere Kreuzband reißt deutlich seltener und ist der operativen Versorgung auch deutlich schwerer zugängig. Die Ergebnisse nicht so gut wie bei der vorderen Kreuzbandersatz-Operation, weshalb das hintere Kreuzband operativ sehr selten angegangen wird.

Möglichkeiten des Kreuzbandersatzes

Kniescheibensehne:

Ca. 1/3 der sehr kräftigen Patellarsehne wird jeweils mit einem Knochenteil aus Schienbein und Kniescheibe entnommen. Dieses Kniescheibenband ist äußerst kräftig (1 ½ x so fest als das Kreuzband).

Die Vorteile bei dieser Methode sind ein absolut festes Einheilen in Oberschenkel bzw. Unterschenkel sowie eine sehr hohe Reißfestigkeit.

Als Nachteile sind längere Schmerzen im Bereich der Kniescheibensehne (vor allen Dingen beim Knien) und eine vorübergehende Schwächung der Streckung zu nennen. Sehr selten tritt ein Bruch der Kniescheibe auf.

Semitendinosussehne (Quadruple-Hamstring-Transplantat):
In diesem Fall wird eine Sehe an der inneren Rückseite des Oberschenkels im Kniegelenkbereich entnommen. Diese Sehne ist sehr dünn, so dass sie 4-fach gelegt werden muss, damit ist die Reißfestigkeit doppelt so hoch als die des normalen menschlichen Kreuzbandes.

Die Vorteile dieser Technik sind geringe Komplikationsraten, keine Beeinträchtigung der Streckung und gute Reißfestigkeit.

Als Nachteil ist eine vorübergehende Schwächung der Beugung anzusehen. Außerdem folgt eine Einheilung langsamer und in manchen Fällen nicht so fest als bei der Patellarsehne.

Weitere Methoden:
Andere Methoden haben sich nicht durchgesetzt. In Frage kommen: Spendersehnen und eine Sehne aus der Quadrizepsmuskulatur.


Operation und Operationstechnik
Entnahme der Sehne (Patellar- oder Semitendinosussehne) erfolgt über kleine Hautschnitte an entsprechender Stelle. Danach wird das Transplantat entsprechend aufbereitet und dann in arthroskopischer Technik (d.h. über zwei kleine Schnitte, in die die Kamera und die Instrumente in das Kniegelenk eingeführt werden) eingebracht.

Wichtig ist ein absolut festes Anbringen des Transplantates an Oberschenkel- und Unterschenkelknochen im Allgemeinen werden Kunststoffschrauben verwendet, die sich nach 2-3 Jahren wieder auflösen, so dass kein Metall im Körper verbleibt. 

Beide Techniken haben ihre Vor- und Nachteile. Welche Methode angewendet wird, bespricht der Operateur mit Ihnen ausführlich. Die Nachbehandlung sowie die Ergebnisse sind im Wesentlichen identisch.

Nach der Operation

Am Ende der Operation werden ein oder zwei Drainagen in das Knie eingelegt, die im Allgemeinen am Folgetag gezogen werden. Das Bein muss über die Dauer von ca. 1 Woche elastisch gewickelt werden, Thromboseprophylaxe ist üblicherweise für 10 Tage notwendig. Normalerweise ist eine Vollbelastung sofort nach der Operation möglich.

Für sechs Wochen legen wir noch eine Orthese an, damit der Einheilungsprozess des Transplantates unterstützt wird. Solch eine Orthese hat links und rechts ein Scharnier, damit das Knie bewegt werden kann.

Wichtig ist eine intensive physikalische Nachbehandlung, wobei Krankengymnastik und Lymphdrainagen im Vordergrund stehen sowie eine Unterstützung der Bewegung in den ersten Wochen durch eine passive Bewegung auf der Motorschiene. Nach ca. 6 Wochen dürfen Sie Fahrradfahren, Schwimmen, nach ca. 3 Monaten Walking und Jogging betreiben und nach ca. 6 Monaten – bei guter Muskulatur – sind Sportarten wie Tennis spielen und Skifahren erlaubt.

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