Ballondilatation (PTA – Perkutane Transluminale Angioplastie)

Rauchen, hohe Blutfette (Cholesterin), Blutzuckererkrankung (Diabetes mellitus), hoher Blutdruck und erhöhtes Körpergewicht führen zu Ablagerungen von Cholesterin in der Gefäßwand. Im Laufe von Jahren kommt es zur Verkalkung dieser Ablagerungen.
Arteriosklerotische Verkalkungen und Cholesterinablagerungen können zur Einengung der Gefäße führen. Ist der Gefäßdurchmesser um mehr als 50% verringert, führen die Verengungen zu einer Durchblutungsminderung der betroffenen Organe. An den Beinen treten belastungsabhängige Schmerzen beim Laufen auf. 

Die Idee, Einengungen von Gefäßen mechanisch "von innen" aufzudehnen, wurde pionierhaft zunächst von Charles Dotter (daher: "Dottern") mit anfänglich eher stabähnlichen Geräten entwickelt. Andreas Grüntzig leistete schrittmachende Beiträge zur Entwicklung der eigentlichen Ballondilatation. Aus diesem Grunde spricht man auch vom Dotter-Gruentzig-Verfahren.
Die Mediziner nennen die Methode PTA und meinen damit die "perkutane"  (durch die Haut), transluminale (entlang des Gefäßinneren) Angioplastie (Gefäßformung).

Hochgradige Einengung im Bereich der BeckenschlagaderEingeführter Ballonkatheter und Aufdehnung der EinengungErgebnis nach Aufdehnen der EngstelleVerbesserung und Sicherung des Ergebnisses nach Einbringen einer Metallgitterprothese

 
Nach den gefäßdiagnostischen Untersuchungen wird bei der PTA zunächst eine orientierende Gefäßdarstellung (Angiographie) durchgeführt, um die Gefäßschäden genau zu lokalisieren (Bild 1). Sie erfolgt unter örtlicher Betäubung in der Regel von der Leiste aus. Der Arzt punktiert die entsprechende Schlagader und führt einen kleinen Schlauch (Einführschleuse) mit einem Durchmesser von wenigen Millimetern ein. Durch diese Einführschleuse wird ein dünner Schlauch mit einem noch dünneren Draht bis in die verengte oder verschlossene Stelle vorgeführt. Nach Röntgendarstellung der Gefäßverengung mit einem Röntgen-Kontrastmittel entscheidet der Arzt, ob und wo die Aufdehnung des Gefäßes vorgenommen werden muss.
Die Führungsdraht-Sondierung wird umso schwieriger, je enger das Gefäßlumen (Innendurchmesser) wird. Aus diesem Grund sind Verschlüsse nicht so einfach zu behandeln wie Engstellen (Stenosen) - ein Grund mehr für eine rechtzeitige Diagnostik!

Zur Beseitigung der Engstelle wird ein kleiner Ballonkatheter vorgeschoben und mit einem Druck von 6 bis 16 bar (Luftdruck in einem Pkw-Reifen = 2,3 bar!) gedehnt (Bild 2).
Die Ballongröße wird so gewählt, dass sie das Gefäß nicht überdehnt. Auch die Länge wird der zu behandelnden Strecke angepasst.
In Abhängigkeit vom Ausmaß der Gefäßeinengung wird zwischen 5 Sekunden und 3 Minuten lang ein- oder mehrmals gedehnt.
Der Ballon verformt die Ablagerungen im Gefäßinneren, und es entstehen Dehnungsrisse, die bis in die Gefäßwand reichen können. Dies kann man im angiographischen Bild nur unvollständig erkennen. Binnen weniger Tage erfolgt eine Glättung dieser Schäden und schließlich ein Überwachsen mit "Gefäßinnenhaut". Im Idealfall sieht das Gefäß nach einer PTA so aus, als habe nie eine Engstelle vorgelegen. Es geht aber nicht um "Kosmetik". Kleinere Resteingengungen sind oftmals (z.B. bei sehr harten Kalkablagerungen) nicht vermeidbar (Bild 3). Als technischer Erfolg darf eine PTA zählen, wenn wieder mehr als 50% des Gefäßlumens offen ist.
Gelegentlich muß der Therapiererfolg noch durch Einbringen einer kleinen Gefäßstütze aus einem Metallgitter (Stent) gesichert werden, die durch das Schleusensystem eingebracht wird (Bild 4). Gute Ergebnisse liegen bislang allerdings nur für die Beckenstrombahn vor.

Zwischenzeitlich ist die Gefäßaufweitung (PTA) von Verengungen (Stenosen) der Arterien des Beckens, der Beine, der Arme und Hände sowie der Hauptschlagader und der Eingeweidearterien ebenso zu den Routineverfahren geworden, wie die perkutane transluminale Angioplastie der Herzkranzgefäße (PTCA). Seit Einführung metallischer Gefäßstützen (Stents) konnten die kathetererweiternden Verfahren auch bei schwer verkalkten und hochgradig verengten Arterien eingesetzt werden, so dass Gefäßinnenhautzerreißungen mit Hilfe der Metallgitter an die Arterienwand angepresst werden und so zu keinen Komplikationen führen.

Längere Verschlüsse, insbesondere kurvig verlaufende Gefäße wie die Knieschlagader sind nur selten für die alleinige PTA geeignet.

Abschließend erfolgt eine Kontrollangiographie zur Überprüfung und Dokumentation des Ergebnisses mit abschließender Entfernung des Schleusensystems und Kompression der Punktionsstelle. Nach wenigen Minuten ist die Blutung gestillt.
Um erneute Blutungen zu verhindern, wird abschließend ein Druckverband über 8 bis 24 Stunden angelegt und eine gerinnungshemmende medikamentöse Therapie begonnen.
Um eine Nachblutung zu verhindern, ist es sehr wichtig, flach und ruhig zu liegen. Durch die Ausscheidung des während des Eingriffs injizierten Kontrastmittels über die Nieren wird der Patient häufig Wasser lassen müssen, was jedoch nur im Liegen erfolgen sollte.

Nach einer PTA müssen gerinnungshemmende Medikamente wie das Aspirin meist lebenslang eingenommen werden, eine regelmäßige Kontrolle der Durchblutung muss durch den Arzt erfolgen.
Wichtigste Maßnahme bei einer Durchblutungsstörung ist das Verhindern des Fortschreitens, daher sind folgende Maßnahmen zu beachten:

  • Rauchen einstellen
  • Gewicht reduzieren
  • Diät einhalten (bei Zucker, erhöhten Blutfettwerten, erhöhten Harnsäurewerten)
  • Zu hohen Blutdruck einstellen
  • Bewegung, Bewegung, Bewegung!
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