Krampfadern – Nur ein Schönheitsfehler?

Krampfadern sind mehr als oberflächliche kosmetische Störungen. Unbehandelt beeinträchtigen sie die Lebensqualität und führen früher oder später zu schwerwiegenden Folgeschäden. Wirksame Abhilfe schafft eine recht frühzeitige, meist chirurgische Therapie.

Als wesentlicher Bestandteil des Körperkreislaufes übernimmt das Venensystem die Aufgabe des Rücktransportes sauerstoffarmen Blutes aus Muskeln und Gewebe zum Herzen. Bei den drei Gruppen (oberflächliches, tiefes und Verbindungssystem) besteht wegen der normalerweise vorhandenen niedrigen Druckverhältnisse im venösen Gefäß ein nur schwacher Wandaufbau mit mäßigen Elastizitätseigenschaften. Als Einwegventile funktionierende Venenklappen sollen dabei die eindeutige Flussrichtung des Blutstromes (von der Oberfläche zur Tiefe bzw. vom Gewebe zum Herzen hin) sicherstellen. Besondere Bedeutung haben hier die in den Verbindungsvenen (=Perforansvenen) lokalisierten Venenklappen, die von ihrer Einmündung in das tiefe Venensystem auch als Mündungsklappen bezeichnet werden.

Kommt es zu einer Überdehnung innerhalb gewisser Abschnitte des Venensystems, resultiert daraus zwangsläufig auch eine Überdehnung der unterhalb dieser Region liegenden Venenklappe, die somit ihre Ventilfunktion nicht mehr erfüllen kann. Es entsteht ein Rückstau venösen Blutes mit sich ausbildender Erweiterung zusätzlicher Anteile des Venensystems, eben den Krampfadern (Varizen).

Diese können sich nun als sack- oder schlauchartige, teils knotig geschlängelte Veränderungen darstellen und treten zumeist an den Beinen auf. Im Rahmen der begleitenden Stauungserscheinungen (geschwollene Beine) sind sie oft auch schmerzhaft. Weitere Komplikationen können eine Entzündung in der Vene selbst (Thrombophlebitis) oder ein Blutgerinnsel (Thrombose) sein.

Eine relativ glimpfliche Form der Krampfadernbildung sind die sogenannten Besenreiser. Mit diesem Ausdruck bezeichnen Mediziner die Erweiterung kleinster, unmittelbar unter der Haut liegender venöser Gefäße. Sie verursachen keine körperlichen Beschwerden, haben daher keinen eigentlichen Krankheitscharakter, sind aber nicht selten Indikator für zusätzlich vorliegende und ernst zu nehmende Krampfaderbildungen. Zudem können sie von erheblicher kosmetischer Bedeutung sein.

Als Auslöser für die Bildung von Krampfadern kommen zahlreiche Faktoren in Betracht, die sich zudem gegenseitig verstärken können. Eine wichtige Rolle spielt die erbliche Veranlagung. Bindegewebsschwächen als Ursache des Spannungsverlustes der Gefäße sind oftmals angeboren. Eine solche Neigung kann während der Schwangerschaft noch verstärkt werden.

Zu den ausschlaggebenden Risikofaktoren zählen zudem eine Reihe typischer Zivilisationserscheinungen, die sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen betreffen: Übermäßige langes Stehen und Sitzen, Bewegungsmangel und Übergewicht erhöhen den Druck auf die Blutsäule in den Beinen und überfordern so die Elastizität der Gefäßwände.

Therapiemaßnahmen müssen versuchen, auf den krankhaft erhöhten Gefäßinnendruck und die hieraus resultierende Überdehnung der Gefäßwand Einfluss zu nehmen. Von der Pharmaindustrie angebotene venentonisierende Medikamente sind dabei häufig von zweifelhaftem Wert. Mehr noch haben eigentätige Maßnahmen des Patienten wie Bindegewebs- und Venentraining (kalte, aufsteigende Güsse), Bewegungsübungen und wiederkehrende Hochlagerungen der Beine, speziell auch nachts mit Höherstellen des Bettfußendes, wirksame Bedeutung. Hilfe bietet auch die äußere Kompression (Kompressionsstrümpfe). Bei einer deutlichen Erweiterung des tiefen Venensystems ist dies ohnehin notwendig.

Die frühzeitige Operation kann, insbesondere wenn nur das oberflächliche Venensystem bzw. das Verbindungssystem betroffen ist, den Krankheitsverlauf bremsen. Sobald sich die ersten Krampfadern zeigen, sollten Betroffene daher den Arzt aufsuchen. Je früher die Venenschwäche behandelt wir, desto höher stehen die Chancen, eine erfolgreiche Therapie einzuleiten und das unvermeidlich rasche Fortschreiten der Funktionsstörung zu bremsen. 
Je nach Schwere des jeweiligen Befundes und der persönlichen Umstände des Patienten legt der Gefäßspezialist den jeweils bestgeeigneten Behandlungsplan fest.

Gegenüber den obengenannten konservativen Maßnahmen haben invasive Verfahren allerdings echte Heilungsaussichten und werden erfolgreich durchgeführt. Die Verödung (Sklerosierung) ist geeignet bei kleinen Krampfadern oder Besenreisern, wobei mit einer sehr feinen Nadel ein Verödungsmittel in das Gefäß injiziert wird. So versiegelte Gefäße werden schließlich vom Körper abgebaut. Das Bein ist nach dem Eingriff wieder voll belastbar. 

Bei größeren Krampfadern empfiehlt sich deren direkte operative Entfernung, wobei hier wiederum zu unterscheiden ist, ob nur einzelne Äste oder gar größere Stammvenen, die ebenfalls direkt unter der Haut liegen und zum oberflächlichen System gehören, oder die bereits erwähnten Verbindungsvenen betroffen sind. Je nach Ausmaß sind dann hier Operationen in Lokalanästhesie oder Allgemeinnarkose erforderlich, die meist ambulant durchgeführt werden können.

Größere Stammvenen werden mittels der Stripping-Methode entfernt. Hierbei setzt der Gefäßchirurg ca. 2-3 cm lange Hautschnitte in der Leiste bzw. Kniekehle und der jeweils tiefsten Erkrankungsstelle der Stammvene, meist auf Knöchelhöhe. Mit einer in der Vene fixierten Sonde gelingt dann die Entfernung der Vene über solche minimal-invasive Zugänge. Auch endoskopische Verfahren kommen zur Anwendung. 

Abgestufte Nachsorge durch Ihren Arzt und unterstützende physiotherapeutische Maßnahmen tragen zu einem raschen Heilungsprozess bei.

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